Häufige Einwände - und unsere Antworten

Oft erhalten wir Fragen und Einwände zur Aktion Autofasten. Manche beruhen auch auf Missverständnissen. Auf die häufigsten Einwände möchten wir nachfolgend Antworten geben, um so manche Vorbehalte auszuräumen – und auch denen, die mitmachen, eine Argumentationshilfe anzubieten.

  • Ohne Auto geht es gar nicht: Lange Wege zwischen Wohnort und Arbeitsstätte erfordern die tägliche Nutzung des Autos.

    Dies trifft sicherlich häufig für den sog. “ländlichen Raum” zu (Hunsrück, Eifel, Pfalz, Westerwald etc.) zu, da die Versorgung mit Öffentlichem Verkehr (ÖV) nicht gleichrangig zu Ballungsgebieten geleistet wird. Für Ballungsgebiete trifft das Gegenteil zu: der ÖV ist in der Regel besser, man kommt meist schneller, billiger, sicher und entspannter in die Metropolen, braucht keinen Parkplatz zu suchen und zu bezahlen, steht nicht im Stau. Wichtig bleibt aber, im Blick auf den ländlichen Raum den politischen Druck zu erhöhen, damit dort gleichwertige Mobilitätsangebote ausgebaut werden.

  • Die Aktion will das Autofahren verteufeln.

    Natürlich nicht! Es geht in der Aktion um einen sinnvollen Umgang mit Mobilität, die auch das Auto einschließen kann, aber eben in Maßen.

  • Die Kirchen rufen zu einer Aktion auf – und gehen selbst nicht mit gutem Beispiel voran (Stichwort: Dienstwagen). Wer fährt von den Kirchenleitungen schon Fahrrad oder mit der Bahn?

    Die überwiegende Zahl der Dienstreisen geschieht durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Beschäftigten werden angehalten, Dienstreisen mit der Bahn 2. Klasse zu absolvieren und können nur im Falle, dass es zeitlich und logistisch einen erheblichen Mehraufwand bedeutet, einen Dienstwagen nutzen.

  • Wieso kümmert sich die Kirche nicht um grundsätzlichere Fragen wie den Hunger in der Welt? Das Autofasten behandelt ein sehr spezielles Feld, das nicht in die Tiefe geht.

    Autofasten berührt sehr wohl ein Feld, das in die Tiefe geht: die Frage nach unserem Lebensstil in den reichen Ländern der Erde, die Frage der Energieverschwendung für Mobilität, die auch anders organisiert werden könnte (gerade von den reichen Ländern!), damit auch die Frage des Ressourcenverbrauchs, der globalen Gerechtigkeit. Und nicht zuletzt: die Frage des Klimawandels, denn der CO2-Ausstoß durch Autos ist einer der größten Klima-Killer. Das Phänomen Klimawandel ist wiederum eine der entscheidenden Ursachen für ausbleibende Regenfälle, für Winderosion, für ausgetrocknete Quellen usw. – womit wir schnell beim Hunger in der Welt wären.

  • Der Öffentliche Nahverkehr ist so teuer geworden, das können sich viele gar nicht leisten. Die Aktion behandelt ein Luxusproblem und fordert von denen etwas, die sowieso schon wenig Geld haben.

    Zwei Behauptungen, denen wir widersprechen: der Öffentliche Nahverkehr ist im Vergleich zu einem eigenen Pkw erheblich billiger, da sehr viele Fixkosten entfallen.
    Vergleicht man allein die tägliche Fahrt-Dauer eines Pkws mit seiner Stand-Dauer, dann kann man das schon erkennen. Versicherung, Steuer, Treibstoff, Abnutzung – all das summiert sich im Jahr zu einer beträchtlichen Summe, für die man gut eine Jahresnetzkarte der Bahn finanzieren kann.
    Und: die Aktion “fordert” nicht, sondern lädt ein. Und zwar alle und nicht nur jene, die “sowieso schon wenig Geld haben”. Gerade diese fahren mit der Aktion erheblich billiger!

  • Vier Wochen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Aktion verändert nichts im Bewusstsein.

    Das sind vier Wochen in der Tat. Die Aktion will für Interessierte eine Art Testlauf sein, um zu überprüfen, ob der Verzicht aufs Auto und die Nutzung des ÖV, aber auch der eigenen Füße oder des Rades eine Alternative sein können. Da verändert sich sehr wohl was im Bewusstsein. Wir haben durch langjährige Untersuchung fest stellen können, dass eine Reihe Teilnehmende ihr Mobilitätsverhalten geändert haben: so haben Familien ihren Zweit- oder Dritt-Wagen abgeschafft, etliche Menschen sind aufs Rad umgestiegen oder auf Öffentliche Verkehrsmittel.

  • Autofasten hat keinen religiösen Hintergrund.

    Die Aktion wird von den christlichen Kirchen im Südwesten organisiert, sehr wohl mit religiösem Hintergrund. Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen ist ein Grundduktus der gesamten biblischen Tradition, angefangen von der ersten Seite der hebräischen Bibel. Es ist eine zeitgemäße Antwort auf den Auftrag, die Erde zu hüten, pflegen und zu schützen.  Dass gerade Christen sich nicht besonders hervortun im Schutz der Schöpfung, spricht nicht gegen diesen Auftrag. Alle Ökumenischen Versammlungen der letzten Jahre, die sich mit Fragen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung beschäftigten, haben ihn hervorgehoben.

  • Die Aktion erreicht nicht die jungen Menschen, sondern ist eine Aktion von “Ökos” aus der 68er-Bewegung.

    Junge Menschen stärker zu erreichen ist in der Tat eine bleibende Aufgabe, auch für diese Aktion. In der kommenden Aktion wagen wir über Facebook einen entsprechenden Versuch, junge Menschen über ihre Kommunikationswege zu erreichen (www.facebook.de/aktion.autofasten). Interessant ist jedoch, dass das Autofahren bei jungen Menschen nicht mehr jenen Stellenwert hat, den es noch vor wenige Jahre hatte. Wichtiger sind die sozialen Netzwerke, wichtiger ist eine stets verfügbare Mobilität. Das kann gerade in Ballungsgebieten sehr wohl eine Kombination verschiedener Verkehrsmittel sein. Ein Indiz ist die massive Zunahme von Car-Sharing-Nutzung und von Fahrradverleihstationen. Autofixiertheit war gestern.
    Und: die Aktions-Verantwortlichen wurden geprägt in den 70er und 80er Jahren, als die Energiekrise, zahlreiche Umweltkatastrophen uns allen (eigentlich!) die Augen öffneten für die “Grenzen des Wachstums”. Man muss kein “Öko” sein (wobei das spätestens seit Tschernobyl und Fukushima auc

  • Die Aktion kann parteipolitisch instrumentalisiert werden. Aus solchen Diskussionen sollte sich die Kirche raushalten.

    An der Aktion ist keine parteipolitische Organisation/ Institution beteiligt. Von daher trifft dieser Vorwurf nicht zu. Die beteiligten Kirchen sind per se parteipolitisch neutral, die beteiligten Verkehrsträger und Umweltverbände, Auto- und Fahrradverleihstationen sind es qua Statut ebenso

  • Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel erhöht das Infektionsrisiko: Autofasten kann krank machen.

    Natürlich kann der Kontakt mit vielen Menschen auch ein erhöhtes Infektionsrisiko bergen. Aber die Erfahrung zeigt auch, dass das Immunsystem durch diesen regelmäßigen Kontakt eher gestärkt wird, sodass die Nutzung des ÖV  eher abhärtet als krank macht.